Geschichte und Grundprinzipien der Homöopathie


 

 

Was bedeutet der Name Homöopathie?

Der Name „Homöopathie“ geht auf die griechische Sprache zurück und kann mit „ähnliches Leiden“ übersetzt werden. Damit ist gemeint, dass in der Homöopathie eine Erkrankung mit einer kleinen Menge eines Naturstoffes behandelt wird, die am gesunden Menschen, in größerer Dosis verabreicht, zu ähnlichen Symptomen führt, wie sie für eine bestimmte Erkrankung charakteristisch sind. Z. B. kommt es nach Einnahme einer Zubereitung aus dem wilden Jasmin (= Gelsemium sempervirens) zu Fieber und Abgeschlagenheit, also wie wir wissen zu typischen Grippesymptomen. Somit ist es leicht nachvollziehbar, dass der wilde Jasmin entweder allein oder häufig als wichtiger Bestandteil in homöopathischen Grippemitteln verwendet wird. Diese sogenannte „Ähnlichkeitsregel“ (lat. Similia similibus curentur) bildet eine der drei Grundprinzipien der Homöopathie.

Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll

Wie ist Hahnemann zu seinen Erkenntnissen gekommen?

Eine zufällige Beobachtung stand am Anfang der Forschungen Samuel Hahnemanns. In Selbstversuchen mit Chinarinde, die er mehrfach wiederholte, kam er zu der Erkenntnis, dass Chinarinde beim Gesunden ein dem Wechselfieber (= Malaria) ähnliches Fieber erzeugt und das Wechselfieber beim Kranken heilt. Der Organismus wird durch den Arzneistoff gereizt, daher zählt man die Homöopathie zu den Reiz- und Regulationstherapien. Hahnemann dehnte seine Experimente auf weitere Naturstoffe mineralischen, pflanzlichen und tierischen Ursprungs aus, die er Freunden und Verwandten verabreichte.

Was hat es mit „Potenz“ und „Urtinktur“ auf sich?

Die eingesetzten Arzneistoffe werden traditionell in lateinischer Sprache bezeichnet. Auf den Namen folgt einer der Buchstaben „D“, „C“, oder „LM“ und eine Ziffer. Gelegentlich taucht auch das Zeichen Ø oder alternativ der Begriff „Urtinktur“ auf. Beispiel: Gelsemium sempervirens D 12 oder Passiflora incarnata Ø. Diese etwas komplizierte Bezeichnungsweise gibt die sogenannte „Potenz“ des verwendeten Stoffes an. Auch der Begriff „Potenz“ kommt aus der lateinischen Sprache und kann mit „Kraft“ oder „Stärke“ übersetzt werden. Es gibt an, auf welche Weise der verwendete Wirkstoff verarbeitet worden ist.

Was versteht man unter „Potenzierung“?

Hahnemann hat für die Herstellung homöopathischer Heilmittel genaueste Vorschriften erlassen mit dem Ziel, den Grundsubstanzen die nötige „Kraft“ zu geben. Das hierfür nötige Verfahren bezeichnet man als „Potenzierung“.
Die Potenzierung funktioniert wie folgt: Der Extrakt einer Arzneipflanze wird nach einer im homöopathischen Arzneibuch (HAB) dargelegten Vorschrift hergestellt und erhält den Namen „Urtinktur“ mit dem schon genannten Kürzel „Ø“. Die Urtinktur wird nun mit einer Alkohol-Wasser-Mischung versetzt, gemischt und sorgfältig geschüttelt. Man erhält die erste homöopathische Potenzstufe, die je nach Mischungsverhältnis Urtinktur/Alkohol-Wasser-Mischung bezeichnet wird:
Mischungsverhältnis Urtinktur/Alkohol- Wasser-Mischung Bezeichnung der ersten Potenzstufe
1 : 10 D 1 D- Potenz (D = Dezimal)
1 : 100 C 1 C-Potenz (C = Centesimal)
1 : 50.000 LM 1 oder Q 1 LM- oder Q-Potenzen (Quinquagintamillesimal)

Zur nächsten Potenzstufe gelangt man, wenn die hergestellte erste Potenz wieder im selben Verhältnis mit einer Alkohol-Wasser-Mischung versetzt und geschüttelt wird. Je nach Mischungsverhältnis entsteht die D 2, C 2 oder LM 2. Dieser Vorgang, die Potenzierung, wird solange fortgesetzt bis die gewünschte Potenz erhalten wird.
Bei den nicht flüssigen Darreichungsformen wird die Ausgangssubstanz statt durch Mischen und Schütteln eines Alkohol-Wasser-Gemisches mit Milchzucker verrieben. Die materielle Substanz nimmt dabei ab, die für die Heilwirkung verantwortlichen, verborgenen dynamischen Kräfte werden durch die Potenzierung gesteigert. Es findet eine “Verdünnung unter Zufuhr von Energie statt“. Die Vergleiche zwischen einer „einfachen“ Verdünnung eines Arzneistoffes und der Potenzierungstechnik nach Hahnemann zeigt in der Anwendung am Kranken beträchtliche Unterschiede zugunsten der potenzierten Arzneimittel. Mit der „Potenzierung“ haben wir jetzt das dritte große Prinzip der Homöopathie kennengelernt. Nach diesen zum Verständnis der Homöopathie notwendigen theoretischen Erläuterungen nähern wir uns jetzt wieder den Fragen der Praxis. Die Homöopathika gibt es in verschiedenen Darreichungsformen, mehr dazu erfahren Sie hier

Was ist unter „Erstverschlimmerungen“ zu verstehen?

Gelegentlich kann die Gabe des passenden Arzneimittels zu einer bis zu maximal 48 Stunden andauernden Verschlimmerung der Beschwerden führen, die den Patienten an der Therapie zweifeln lassen kann. Der Therapeut wertet dieses als gutes Zeichen, denn er stellt fest, dass das gewählte Mittel auf den Organismus wirkt. Nach der Erstverschlimmerung bessert sich das Befinden.

Homöopathische Komplexmittel

Hahnemanns therapeutische Empfehlung sieht die Verabreichung von Einzelmitteln vor, die nach dem oben erläuterten Ähnlichkeitsprinzip ausgewählt werden. (mehr dazu finden Sie hier)

Abweichend von der Behandlung nach dieser Ähnlichkeitsregel schlug Hahnemann vor, bestimmte Krankheiten, die aus gleicher Ursache stets gleich ablaufen (z. B. eine Grippeerkrankung, Erkältung), mit gleichen Mitteln, d. h. nach der Diagnose, zu behandeln. Hierfür werden heute insbesondere Kombinationen aus mehreren homöopathischen Einzelmitteln, die sich in der Wirkung ergänzen, erfolgreich eingesetzt. Diese sogenannten „Komplexmittel“ stellen eine Ergänzung der klassischen Homöopathie nach Hahnemann dar, der grundsätzlich die Verwendung von Einzelmitteln empfahl.
Dass sich aber auch die sinnvolle Kombination mehrerer Mittel segensreich auf den Gesundheitsprozess auswirken kann, geht u. a. auf Erfahrungen des italienischen Arztes Graf Mattei (1809-1869) zurück. Mattei stellte fest, dass in vielen Fällen Mischungen verwandter homöopathischer Mittel eine bessere Wirksamkeit aufwiesen als die entsprechenden Einzelmittel. Die theoretischen Grundlagen zur Erklärung der Wirkung solcher Arzneikombinationen schuf Bürgi aus Bern mit der nach ihm benannte Mischungsregel:

Bürgi konnte auch zeigen, dass so manches Einzelmittel therapeutisch versagt, in Kombination mit anderen Mitteln jedoch zum Heilerfolg führen kann. Außerdem gelang ihm der Nachweis, dass geringe an sich wirkungslose Dosen einzelner Mittel einen deutlichen Effekt zeigen, wenn sie mit anderen Substanzen kombiniert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest eines der in der Mischung des Komplexmittels enthaltenen Einzelmittel die Symptome des Kranken bessert, ist groß.
Vor allem chronische Erkankungen können oft erfolgreich mit homöopathischen Komplexmitteln therapiert werden. Die Erkenntnis der modernen Medizin, dass die Behandlung chronischer Krankheiten die Anregung ggf. die Reparatur blockierter Abläufe erfordert, rechtfertigt den Einsatz homöopathischer Komplexmittel.