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Als ich in Klagenfurt einen Tag nach dem Qualifier endlich sicher sein konnte nach Hawaii zu fliegen, war mir klar, dass die Saison bis Oktober und das viele Training weitergeht. Jedoch war erstmal eine Pause nötig, um das Rennen zu verdauen. Vier Wochen reduzierte ich das Training teilweise auf zwei Einheiten pro Woche. Mitte August stieg ich dann wieder ein, absolvierte eine Mitteldistanz und war ab da wieder mit dem Kopf voll bei der Sache. Leider ging für meine Trainingskollegen zu dieser Zeit die Saison zu Ende, sodass man gerade bei den langen Radeinheiten alleine unterwegs war. Sechs Stunden oder länger allein auf dem Rad zu sitzen und sich manchmal zu fragen, ob man nicht lieber mit Freunden im Biergarten oder sonst wo wäre…? Diese Gedanken schwirrten nicht selten durch den Kopf.
Am 21. Oktober war es dann endlich nach vielen Trainingskilometern soweit. Um 7:00 Uhr Ortszeit fiel der Startschuss. Ein totales Chaos unter und über Wasser, Tritte und Schläge auf den Kopf verhinderten, dass man eine ruhige Wasserlage bekam und seinen eigenen Rhythmus fand. Das ging fast bis zum Wendepunkt so. Erst nach 1900 m hatte man genügend Platz, um voll durchzuziehen. Der Rest zog sich wie ein Kaugummi, ganz schlimm, wenn man glaubt, dass es gar nicht vorwärts geht. Die Wellen taten ihr übriges.
Ich freute mich auf das folgende Radfahren. Das Anfangstempo war recht hoch und ich merkte, dass ich nicht so weiterfahren konnte, sonst würde ich später nicht mehr laufen können, deshalb nahm ich raus und versuchte mein eigenes Tempo zu fahren. Ich empfand, dass die 180 km auf dem Rad sehr schnell umgingen und auch glücklicherweise aufgrund der nicht zu harten Witterungsverhältnisse auf der Strecke nicht so hart wurden. Nach dem Wechsel zum Laufen bemerkte ich früh, dass ich schon angeschossen war. Schon nach zwei Kilometern fühlte ich mich so träge und müde, dass es mir vor den folgenden 40 noch graute. Während man beim Radfahren noch Kühlung durch kalte Wasserflaschen erhielt, konnte man beim Laufen noch so viel Eis mitnehmen und sich mit Schwämmen abwischen. Es reichte nicht, sich gegen diese Temperaturen auf ein angenehmes Niveau zu kühlen. So hangelte ich mich von einer Verpflegung zur nächsten, die in einem Abstand von einer Meile eingerichtet waren. Gegen meine Erwartungen war man auf der Strecke nie allein, es sind viele um einen herum unterwegs, was das Rennen aber nicht leichter macht. Nach 26,2 Meilen ist auch die letzte Disziplin bewältigt.
Die Laufstrecke war wohl der emotionalste Bestandteil des IRONMANs, denn hier erlebte ich die meisten Krisen. Bei mir war es fast eine durchgehende. Lediglich auf 5 km lief es gut, wovon ich euphorisch werden konnte, den Rest wünschte ich mir sehr oft einfach stehen bleiben zu dürfen. Genauso fragte ich zwischendurch nach dem „Warum“. Ich weiß es auch nicht so genau, aber im Ziel zu stehen und dann über das Geschaffte zu lachen, gibt bei mir mehr Endorphine frei, als alles andere vorher. Das ist der Lohn für alle Entbehrungen, deshalb ist man da, um die Gänsehaut im Ziel zu haben. Ein dreiviertel Jahr wurde auf dieses Erlebnis hingearbeitet und nun möchte ich Wiederholungstäter werden…Das Ziel: Schneller sein!
Viele halten diesen Sport für verrückt, woran wohl nicht zu wenig Wahres ist, aber es ist machbar: Die Härte einen IRONMAN durchzustehen, kann man meiner Meinung nach lernen und so etwas Außergewöhnliches zu einem besonderen Erlebnis zu machen, ist ein tolles Ziel. Ein hawaiianischer Geistlicher beschrieb dies mit dem Wort „Lokahi“ (genaue Übersetzung kenne ich auch nicht). Ich habe mir damit einen großen Traum erfüllt und bin sehr dankbar, dass ich überall so viel Unterstützung dafür fand.
Christoph Rahmann
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