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Eisern in einer anderen Welt

Gütersloher Triathlet Ingmar Lundström beendete den Ironman Hawaii als Debütant mit Top-Zeit

Ingmar Lundström
Finisher: Die Medaille, die er nach der längsten Reise und dem längsten Wettkampf seines Lebens im Ziel des Ironman Hawaii erhielt, setzte bei Ingmar Lundström Glücksgefühle frei. Der Gütersloher Triathlet erreichte das Ziel nach nur 9:30:58 Stunden. FOTO:HENRIK MARTINSCHLEDDE

Gütersloh. Gut 16 Jahre ist es her, dass Ingmar Lundström so richtig vom Triathlon-Bazillus befallen wurde. Die damals in der Neuen Westfälischen veröffentlichte Kolumne „Aloha“, verfasst vom ersten Gütersloher Hawaii-Finisher Heini Engelmeier, hatte ihn auf das spezielle Abenteuer aufmerksam gemacht. Nun steht der bald 35-Jährige selbst als Ironman im Focus der NW-Leser. Am 21. Oktober 2006 brachte er das Kunststück fertig, als Langdistanz-Debütant bei den offiziellen Weltmeisterschaften mit 9:30:58 Stunden die schnellste Zeit zu erzielen, die je ein heimischer Triathlet auf Big Island erreichte. Diese Topleistung machte ihn zum Kandidaten bei der Wahl zum Sportler des Jahres.

Bis zu 26 Stunden pro Woche trainierte Ingmar Lundström in der Vorbereitung auf Hawaii. 400 Kilometer betrug sein Pensum im Schwimmen, 11.000 Kilometer fuhr er mit dem Rad, und 3.000 Kilometer lief er, um die Herausforderung in Kailua-Kona zu bestehen. Dass ihm das als 151. der Gesamtwertung mit Bravour gelang – nur dreißig Deutsche, darunter zwölf Profis, waren schneller als er – ist aber auch das Resultat jahrelangen Leistungssports. Schon 1994 im Trikot von TriSpeed Marienfeld und 2000 im Outfit des Asics-Team Witten war er schließlich westdeutscher Meister geworden – wenngleich auf der Kurzdistanz.
Hawaii war allerdings, und das nicht nur im geographischen Sinn, der Vorstoß in eine andere Welt. Mögen andere auch leicht am Erfolg seines Vorhabens gezweifelt haben, weil er nie zuvor einen Marathon gelaufen, geschweige denn zuvor bereits 3,8 km geschwommen und 180 km Rad gefahren war, so war Ingmar Lundström stets eisern davon überzeugt, das Ziel in guter Verfassung zu erreichen. Und war ihm ein Jahr zuvor die Qualifikation beim Halbdistanz-Ironman in Monaco noch höllisch schwer gefallen, so gab es diesmal nur vergleichsweise kurze Leidenszeiten: „Die letzten 50 Kilometer auf dem Rad waren härter als das Laufen“, erinnert er sich. Nach 1:02:25 Stunden im Pazifik und 5:04:57 Stunden im Sattel hatte der Gütersloher („Ich bin stolz und saufroh, dass es vorbei ist“) trotz starker Krämpfe auf den letzten drei Kilometern mit 3:18:33 Stunden die 36-beste Laufzeit unter allen 1.700 Teilnehmern erzielt. „Im Ziel war ich mit einem Glücksgefühl belegt, wie ich es schon lange nicht mehr hatte“, schildert er seinen Zustand, als ihm unter dem Beifall tausender Zuschauer der auf Hawaii obligatorische Blumenkranz um den Hals gelegt wurde. Die selbst auferlegten Entbehrungen und die großzügige Investition des Sponsors „Pflüger Arzneimittel“ aus Rheda-Wiedenbrück, der die Kosten für den 4.000 Euro teuren Wettkampf übernahm, hatten sich in diesem Moment gelohnt.
Ingmar Lundström hat in seiner langen Karriere als Leistungssportler aber nicht nur gelernt zu genießen, sondern er hat auch die Fähigkeit erworben, Leistungen und Erfolge (und Misserfolge) unabhängig von äußeren Bewertungen für sich persönlich einzuordnen. Deswegen verfällt er auch nicht in den Reflex, den Ironman Hawaii als das absolute Highlight seines Sportlerlebens zu glorifizieren. „Ich stufe den Wettkampf als ganz, ganz große Erfahrung ein“, lautet sein maximales
Loblied. Die Erklärung für die Zurückhaltung: „Man denkt, Hawaii ist das Ultimative. Das ist es auch von der Wertigkeit her. Aber vom Erlebnis her ist es nicht der Wettkampf, den man sich im Stillen erhofft.“ Bedrückend empfand er vor allem die Landschaft („Es ist öde“), die er trotz perfekter Organisation weitgehend ohne Zuschauerresonanz durchqueren musste. „Roth ist wesentlich stimmungsvoller“, vergleicht er die WM mit dem „Klassiker“ in Franken, den er als Zuschauer verfolgte. Zu jedem Zeitpunkt des Rennens habe er daher gewusst: „Dies ist ein einmaliger Tripp.“
Es passt zu dem getrübten Eindruck, den der Wettkampf trotz des unzweifelhaften sportlichen Niveaus hinterlassen hat, dass der Blumenkranz bei der Abreise aus Versehen am Badezimmerspiegel des angemieteten Appartementes hängen blieb. Dass er sich am Tag nach dem Wettkampf beim Baden in den harten Pazifik-Wellen eine Rippe anbrach, empfand Ingmar Lundström als ebenso wenig tragisch. Und dass aus seinem Ticket-Heft der Abschnitt für die letzte Etappe des 20-stündigen Rückflugs durch den Fehler einer Bediensteten verschwunden war und er mit einem Mietwagen aus Frankfurt heimfahren musste, war auch nur eine kleine Anekdote. Viel mehr als diese Nebensächlichkeiten beschäftigte den Sportler bereits die Vorfreude auf ein Großereignis, von dem zu diesem Zeitpunkt kaum jemand wusste – die Schwangerschaft seiner mitgereisten Ehefrau Katrin.
Was das Jahr 2007 sportlich bringen wird, steht also unter einem anderen Diktat. Sicher ist: Ingmar Lundström, der 2006 als Läufer auch die Gütersloh-City-Classics sowie den Harsewinkler Night-Run gewann und als Triathlet Dritter der westdeutschen Mitteldistanzmeisterschaft in Hückeswagen sowie Zweiter des NRW-Liga-Wettkampfs in Dortmund wurde, will in beiden Sportarten aktiv bleiben. Während der frühere Schwimmer und Wasserballer in der Triathlon-Liga weiter für den TSVE Bielefeld an den Start geht, ist er als Läufer zur DJK Gütersloh gewechselt. Einen erneuten Versuch, den Hermannslauf zu gewinnen (was im Jahr 2000 gelang und 2006 mit der vorzeitigen Aufgabe endete) wird der Filialleiter des Active Sportshops nicht unternehmen. Stattdessen steht Ende April der Hamburg-Marathon im Focus. Zu dieser Stadt hat er spätestens eine Affinität, seit er im August die heiße Phase der Hawaii-Vorbereitung mit einer 270-km-Fahrt von Gütersloh aus dorthin einläutete. Die Lust auf lange Radtouren hatte ihn bereits im Juli gepackt, als er an der 310 Kilometer langen Vättern-Rundfahrt in Schweden teilnahm, dem Heimatland seines Vaters.
Völlig ausgeschlossen ist 2007 oder später ein zweiter Abstecher in die Ironmanszene aber nicht. „Klagenfurt würde mich reizen“, gibt der Ex-Debütant zu, mit einem Start in Kärnten zu liebäugeln. Vielleicht eifert er aber doch seinem „Vorbild“ nach. Heini Engelmeier absolvierte nach Hawaii nur noch einen Ironman und wählte dafür 1991 den „Hochgeschwindigkeitskurs“ in Roth. Was er selbst in der Vorbereitung anders machen würde, weiß Ingmar Lundström sogar schon: „Nicht so viel trainieren und das Tempo nicht so stark vernachlässigen.“

Quelle: NW, NR. 17, SAMSTAG/SONNTAG, 20./21. JANUAR 2007

 


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