Es kribbelt, es zwickt, es lässt einfach nicht nach: Juckreiz gehört zu den unangenehmsten Empfindungen, die uns unsere Haut bescheren kann. In Deutschland leiden etwa 14 Prozent aller Menschen unter einem chronischen Juckreiz. Doch woher kommt dieses Verlangen zu kratzen, was steckt dahinter und vor allem, was hilft?
Was ist Juckreiz?
Der medizinische Fachbegriff für Juckreiz lautet Pruritus. Der Begriff beschreibt eine unangenehme Empfindung, die den Drang auslöst, sich zu kratzen.
Hält ein Juckreiz länger als sechs Wochen an, sprechen Ärzte von chronischem Juckreiz. Dieser kann die Lebensqualität stark einschränken. Etwa 22 Prozent der Menschen sind davon mindestens einmal im Leben betroffen.
Aus evolutionärer Sicht ist Juckreiz ein wichtiges Warnsignal unseres Körpers. Er macht uns auf Parasiten, Reizstoffe oder Verletzungen unserer Haut aufmerksam.

Juckreiz: Was dahinter steckt
Juckreiz entsteht durch ein Zusammenspiel von Haut, Immunsystem und Nervensystem. Zwei Arten von Nervenfasern spielen dabei eine wichtige Rolle:
A∂-Fasern (A-Delta-Fasern) leiten Schmerzreize schnell weiter und lösen unseren Schutzreflex aus.
C-Fasern hingegen übermitteln Schmerz-, Temperatur- und Juckreizsignale langsamer an das Gehirn und Rückenmark. Sie lösen das bewusste Juck-Gefühl aus.
Medizinisch werden zwei Grundformen unterschieden.
Histaminerger Juckreiz
Bestimmte Immunzellen, sogenannte Mastzellen, setzen bei Reizung den Botenstoff Histamin frei. Histamin ist ein körpereigener Stoff, der Entzündungen und Juckreiz verursacht. Auslöser können Allergene, Insektenstiche, Stress, Kälte, Hitze oder bestimmte Lebensmittel sein.
Nicht-histaminerger Juckreiz
Diese Form ist häufig chronisch. Auslöser sind hier Botenstoffe wie Proteasen oder Neuropeptide. Proteasen sind Enzyme, die Eiweiße abbauen. Neuropeptide, z. B. Endorphine, steuern unter anderem Hunger, Schlaf und Schmerzempfinden. Beide Stoffe reizen die Nervenfasern in der Haut, schwächen die Hautbarriere und fördern Entzündungen.
Ursachen: Warum juckt die Haut?
Juckreiz ist nicht gleich Juckreiz. Die Ursachen für juckende Haut sind vielfältig und nur wer den Auslöser kennt, kann gezielt behandeln. Fachleute unterschieden vier Kategorien. Diese Einteilung stammt vom International Forum for the Study of Itch (IFSI) und gilt heute weltweit als Standard.
Dermatologische Ursachen
Hier liegt der Ursprung direkt in der Haut. Typische Beispiele sind:

Trockene Haut (Xerosis cutis): Die Haut ist trocken, rissig und juckt durch Feuchtigkeitsmangel.
Neurodermitis (atopische Dermatitis): Eine chronische Entzündung der Haut mit starkem Juckreiz.
Schuppenflechte (Psoriasis): Eine Autoimmunerkrankung mit schuppenden, juckenden Haustellen.
Kontaktekzeme: Entzündliche Reaktion auf Allergene oder Reizstoffe.
Nesselsucht (Urtikaria): Juckende, rote oder blasse Quaddeln, häufig mit Schwellungen.
Systemische Ursachen
Aber nicht immer ist die Haut selbst der Auslöser. Manchmal steckt eine Erkrankung eines inneren Organs dahinter:
- Chronischer Juckreiz bei Niereninsuffizienz oder Dialyse.
- Oft nächtlicher Juckreiz durch Leber- oder Gallenerkrankungen.
- Häufig chronischer Juckreiz bei Diabetes mellitus.
- Sowohl Schilddrüsenüberfunktion (Hashimoto) als auch -unterfunktion (Hypothyreose) können Juckreiz verursachen.
Neuropathische Ursachen
Sind Nerven geschädigt oder senden sie fehlerhafte Signale, kann das ebenfalls zu Juckreiz führen:
- Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose.
- Intensiver Juckreiz am Rücken durch Nervenkompression.
- Erkrankung der kleinen Nervenfasern, die Juckreiz verursacht.

Psychogene Ursachen
Auch psychische Belastungen können Juckreiz auslösen oder verstärken.
- Stress: Psychischer Druck kann Histamin freisetzen und die Hautbarriere schwächen.
- Angststörungen & Depression: Sie aktivieren das Nervensystem und können Hautreizungen begünstigen.
Trockene Haut: Die häufigste Ursache
Die mit Abstand häufigste Ursache für Juckreiz ist trockene Haut, medizinisch Xerosis cutis genannt. In Deutschland sind mehr als 10 Millionen Menschen davon betroffen.
Bei trockener Haut ist die Hautbarriere gestört. Das ist die schützende Außenschicht der Haut. Durch diese Störung geht Feuchtigkeit verloren und Reizstoffe können leichter eindringen. Das verursacht neben Juckreiz auch Brennen, Schuppung und ein unangenehmes Spannungsgefühl.
Besonders betroffen sind ältere Menschen. Mit dem Alter produziert die Haut weniger Talg und Schweiß. Die natürliche Feuchtigkeitsbindung nimmt dadurch ab. Im Winter wird der haut durch die trockene Heizungsluft zusätzlich Feuchtigkeit entzogen.

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Warum Kratzen den Juckreiz verschlimmert
Kratzen fühlt sich im ersten Moment erleichternd an und das hat einen biologischen Grund. Es aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn. Deshalb ist der Drang auch so schwer zu widerstehen.
Doch der kurzfristige Effekt täuscht. Denn Kratzen erzeugt kleine Verletzungen auf der Haut. Diese:
- lösen weitere Entzündungen aus,
- ermöglichen Bakterien und Viren das Eindringen in die Haut,
- schädigen die Hautbarriere zusätzlich,
- verstärken den Juckreiz langfristig.
Gut zu wissen
Versuchen Sie den Juckreiz durch Kühlen, sanftes Klopfen oder das Auflegen eines feuchten Tuchs zu lindern, anstatt zu kratzen. Das unterbricht den Reizkreislauf, ohne die Haut zu schädigen.
Juckreiz lindern: Tipps, die wirklich helfen
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Diese allgemeinen Maßnahmen können helfen:
Konsequente Hautpflege
Eine regelmäßige Pflege ist die Basis jeder Behandlung. Gute Produkte sollten:
Feuchtigkeit spenden, z. B. mit Aloe Vera,
die Haut rückfetten, z. B. mit Mandelöl, Rizinusöl oder Avocadoöl,
die Hautbarriere stärken, z. B. mit Ceramiden.
Kühlende Maßnahmen
Kälte kann den Juckreiz oft schnell und effektiv lindern:
in ein Tuch gewickelte Kühlpacks,
kaltes Wasser oder kühle Umschläge,
Nasse Wickel, z. B. mit schwarzem Tee.
Milde Reinigung
Die richtige Reinigung schützt die Haut vor zusätzlicher Reizung. Empfohlen werden pH-neutrale, seifenfreie Produkte und lauwarmes Wasser. Heißes Wasser und aggressive Seifen entziehen der Haut wichtige Fette. Deshalb sollten diese vermieden werden.
Kleidung und Umgebung
Auch die unmittelbare Umgebung spielt eine Rolle:
- lockere, atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle schont die Haut,
- kratzende Materialien wie Wolle mit direktem Hautkontakt vermeiden,
- Luftbefeuchter helfen bei trockener Heizungsluft.
Mineralstoffpflege bei Juckreiz
Bei Juckreiz im Zusammenhang mit Hautproblemen wie Ekzemen oder Neurodermitis können speziell abgestimmte Pflegeprodukte unterstützend wirken.
Unterstützung bei Ekzemen
Die Mineralstoff-Creme-Mischung E von Pflüger wurde zur unterstützenden Pflege der Haut bei Ekzemen entwickelt. Ekzeme sind Entzündungsreaktionen der Haut, die durch äußere Auslöser entstehen. Die Creme beruhigt raue Hautstellen, hilft die Haut zu regulieren und kann den Juckreiz lindern. Die enthaltenen Mineralstoffe wie Kieselerde, unterstützen gezielt die Bedürfnisse der Haut.
Unterstützung bei Neurodermitis
Für Juckreiz bei Neurodermitis bietet die Mineralstoff-Creme-Mischung N eine speziell zusammengestellte Mineralstoffkombination. Magnesiumphosphat wirkt entspannend, Natriumsulfat lindert und das Avocadoöl spendet Feuchtigkeit.
Beide Cremes sind pH-neutral, gut verträglich und zu 100 Prozent frei von Paraffin und Mikroplastik. Bei bekannter Neurodermitis (meist ärztlich diagnostiziert), ist die Creme N die richtige Wahl, ansonsten Creme E.
Unterstützung von innen
Äußerliche Pflege allein reicht manchmal nicht aus. Hier können homöopathische Komplexmittel ergänzend von innen wirken. Pflügerplex® Graphites 308 HM unterstützt bei trockenen Hautausschlägen, während Pflügerplex® Sulfur jod. 309 speziell bei juckenden Hauterkrankungen eingesetzt wird. Bei unspezifischen Hautreizungen bietet Naranocut H mit sechs aufeinander abgestimmten Wirkstoffen eine bewährte Option. Gehen die Beschwerden mit juckenden Ekzemen einher, kann Pflügerplex® Oleander 123 unterstützend wirken. Homöopathische Komplexmittel lassen sich gut als sinnvolle Ergänzung zur äußerlichen Pflege im Alltag integrieren.
Juckreiz: Wann sollte man zum Arzt?
Juckreiz ist oft harmlos und gut behandelbar. In manchen Fällen ist jedoch eine ärztliche Abklärung wichtig. Besonders wenn eine ernstere Grunderkrankung dahinter stecken könnte.
Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn
- der Juckreiz länger als zwei Wochen anhält,
- der Juckreiz am ganzen Körper auftritt,
- der Schlaf stark beeinträchtigt ist,
- Begleitsymptome wie Gewichtsverlust, Müdigkeit oder Nachtschweiß auftreten.
Bei Personen über 60 Jahren, die einen Juckreiz ohne sichtbare Hautveränderung haben, sollte eine Abklärung auf innere Erkrankungen erfolgen.
Mit der richtigen Diagnose und gezielten Maßnahmen lässt sich Juckreiz in den meisten Fällen deutlich lindern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Juckreiz?
Juckreiz wird auch Pruritus genannt und ist eine unangenehme Sinnesempfindung, die den Drang zum Kratzen auslöst. Der Juckreiz ist ein evolutionär wichtiges Warnsignal, das uns auf Parasiten, Reizstoffe oder Hautschäden aufmerksam macht.
Was ist chronischer Juckreiz?
Von chronischem Juckreiz spricht man, wenn die Beschwerden länger als 6 Wochen anhalten. Etwa 22 Prozent der Menschen sind mindestens einmal im Leben davon betroffen.
Was sind die Ursachen für Juckreiz?
Die Ursachen für Juckreiz können vielfältig sein. Man unterscheidet anhand vier Kategorien:
Dermatologische Ursachen: Erkrankungen der Haut selbst, z. B. trockene Haut, Neurodermitis, Schuppenflechte, Ekzeme oder Nesselsucht.
Systemische Ursachen: Erkrankungen eines inneren Organs, z. B. Nieren, Leber oder Schilddrüse.
Neuropathische Ursachen: Schädigungen oder Fehler des Nervensystems.
Psychogene Ursachen: psychische und emotionale Belastungen wie Stress, Angststörungen oder Depressionen.
Die mit Abstand häufigste Ursache bilden die dermatologischen Ursachen mit trockener Haut, auch als Xerosis cutis bekannt.
Warum macht Kratzen den Juckreiz schlimmer?
Obwohl Kratzen kurzfristig Erleichterung verschafft, indem es das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert, verschlimmert es den Juckreiz langfristig. Kratzen erzeugt kleine Hautverletzungen, die:
weitere Entzündungsreaktionen auslösen,
Bakterien und Viren Eintritt verschaffen,
die Hautbarriere zusätzlich schädigen,
den Juckreiz langfristig verstärken.
Was hilft gegen Juckreiz?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Allgemein wirksame Maßnahmen sind:
konsequente Hautpflege mit feuchtigkeitsspendenden Cremes wie den Mineralstoff-Creme-Mischungen von Pflüger,
kühlende Umschläge, kaltes Wasser oder nasse Wickel mit Schwarztee,
pH-neutrale, seifenfreie Produkte und lauwarmes Wasser zur milden Reinigung,
kühlen, klopfen oder feuchte Tücher statt Kratzen,
lockere, atmungsaktive Baumwollkleidung,
Luftbefeuchter bei trockener Heizungsluft.
Warum juckt die Haut besonders im Winter?
Im Winter begünstigen mehrere Faktoren trockene, juckende Haut. Trockene Heizungsluft entzieht der Haut Feuchtigkeit. Gleichzeitig enthält die kalte Außenluft weniger Feuchtigkeit, die aufgenommen werden kann. Zusätzlich stresst der Wechsel zwischen warm und kalt die Hautbarriere und die Haut produziert weniger schützende Fette.
Was ist der Unterschied zwischen Juckreiz und Neurodermitis?
Juckreiz ist ein Symptom, während Neurodermitis eine chronische Hauterkrankung ist. Sie ist genetisch veranlagt und kann zusätzlich durch verschiedene Umweltfaktoren verursacht werden. Neurodermitis zeigt sich durch typische Ekzeme, Rötungen und Schuppung und muss spezifisch behandelt werden. Juckreiz hingegen ist eines der Hauptsymptome der Neurodermitis und kann oft belastend für Betroffene werden.
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Allgemeiner Hinweis & Quellenangabe
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