Manche Nährstoffe gelten als grundsätzlich gesund, ganz egal wie viel man davon einnimmt. Ein gefährlicher Irrtum. Gerade bei Selen zeigt sich, wie schmal der Grat zwischen sinnvoller Ergänzung und ernstem Risiko sein kann. Wie viel Selen gesund ist und ab wann ein ernsthaftes gesundheitliches Risiko besteht, lesen Sie hier.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Tagesbedarf: Erwachsene benötigen täglich 60 bis 70 µg Selen.
- Eine Überdosierung wird auch als Selenose bezeichnet.
- Typische Symptome sind Haarausfall, Nervenschäden oder Veränderungen von Haut und Nägeln.
- Sicher supplementieren: MitSelen Pflüger PUR®decken Sie Ihren individuellen Tagesbedarf.
- Selen Supplements sollten nur bei nachgewiesenem Mangel eingenommen werden.
Selen Tagesbedarf: Wie viel Selen ist gesund?
Unser Körper kann ohne Selen nicht richtig funktionieren. Es steckt in fast allen Geweben und schützt unsere Zellen vor freien Radikalen, also aggressiven Teilchen, die unsere Zellen schädigen können. Außerdem spielt Selen eine wichtige Rolle für die Schilddrüse.[1]
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt deshalb einen sicheren Tagesbedarf:[2]
| Altersgruppe | Empfehlung |
|---|---|
| Jugendliche (ab 13 Jahren) | 60 µg |
| Jugendliche (ab 15 Jahren) und Erwachsene | Männlich: 70 µg | Weiblich: 60 µg |
| Schwangere | 60 µg |
| Stillende | 75 µg |
Diese Mengen beziehen sich auf die tägliche Gesamtzufuhr aus Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.
In Europa gelten vor allem tierische Lebensmittel als zuverlässige Selenquelle. Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, ist deshalb durchschnittlich schlechter mit Selen versorgt als Menschen, die auch tierische Produkte essen.[3] Ein Nahrungsergänzungsmittel kann dann sinnvoll sein, um den individuellen Tagesbedarf zu decken.
Symptome einer Selen-Überdosierung
Normalerweise scheidet der Körper überschüssiges Selen über den Urin aus. Wird jedoch über einen längeren Zeitraum deutlich mehr zugeführt, als der Körper benötigt, kann sich Selen im Körper anreichern.[2]
Mediziner sprechen bei einer chronischen Selen-Überdosierung auch von einer Selenose. Zu den frühen Anzeichen zählen:[2][1]
Müdigkeit
Übelkeit und Durchfall
Gelenkschmerzen
Bei anhaltend hoher Zufuhr können weitere Beschwerden auftreten:[2][4][1]
Haarausfall
Veränderung der Nägel
Hautausschläge
Nervenstörungen und Gedächtnisprobleme
Ein charakteristischer, nach Knoblauch riechender Atem
Werden die Selenprodukte abgesetzt, bilden sich die meisten Beschwerden allmählich zurück.[4]
Eine akute Vergiftung durch sehr hohe Mengen Selen kann in seltenen Fällen sogar zu Herzversagen führen.[2]
Der Fall einer 50-jährigen Britin mit Selenose
Wie ernst eine Überdosierung sein kann, zeigt ein Fall aus Großbritannien. Eine 50-jährige Frau kam mit strak eingeschränkter Sehkraft und Gedächtnisproblemen in eine Klinik. Erst der Hinweis zur täglichen Einnahme von Selentabletten brachte die Ärzte auf die richtige Spur.[5]
Die Frau hatte lange Zeit täglich eine Tablette mit 200 µg Selen eingenommen. Sechs Monate vor der Klinikaufnahme erhöhte sie die Dosis auf sechs bis acht Tabletten täglich. Das ergibt eine Selenzufuhr von 1.200 µg bis 1.600 µg pro Tag. Zum Zeitpunkt der Diagnose lag ihr Selenwert im Blut bei 5.370 µg pro Liter, etwa das 50-fache des Normalwerts.[5]
Nach dem sofortigen Absetzen des Supplements gingen die Beschwerden zurück. Zwei Jahre später hatte die Frau keine akuten Symptome mehr. Untersuchungen zeigen jedoch einen bleibenden Gewebeverlust im Gehirn (Hirnatrophie), den die Ärzte auf die lange Überdosierung zurückführen.[5]
Selen in der Krebsvorsorge: Mythos oder Fakt?
Selen wurde lange eine krebsvorsorgende Wirkung nachgesagt. Das sollte in der „Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial“ (SELECT) vom US-National Cancer Institute für Prostatakrebs genauer untersucht werden.[6]
Das Ergebnis: Bei Männern, die bereits ausreichend mit Selen versorgt waren, stieg unter zusätzlicher Selengabe das Risiko für besonders aggressive Prostatakarzinome sogar an.[7]
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie zog daraus einen klaren Schluss und riet allen Männern von einer Seleneinnahme ab, solange kein nachgewiesener Mangel vorliegt.[6][7]
Auch weitere große Studienauswertungen mit mehreren Tausend Teilnehmern fanden keine schützende Wirkung von Selen gegenüber Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.[3]
“Dies bedeutet, dass das Spurenelement Selen, das der Körper in geringen Mengen benötigt, in höheren Dosierungen schadet.”
“Vitamine und Spurenelemente kann man analog zu Arzneimitteln betrachten, die nur in der richtigen Dosis von Nutzen sein können, in zu großer Menge aber auch zum Gift werden können.”
— Prof. Dr. med. Dr. h.c. Herbert Rübben (Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Essen)
Welches Lebensmittel enthält am meisten Selen?
Paranüsse gelten als besonders selenreich. Ihr Gehalt schwankt aber je nach Anbaugebiet. Da sie zugleich natürliche radioaktive Stoffe anreichern können, rät das Bundesamt für Strahlenschutz zu einem maßvollen Verzehr. Zuverlässige Selenquellen sind außerdem Fisch, Meeresfrüchte, Eier und Milchprodukte.
Wie hoch ist der Tagesbedarf von Selen?
Laut DGE benötigen Frauen täglich etwa 60 µg und Männer 70 µg Selen. Unter bestimmten Umständen wie einer Schwangerschaft oder bei einem nachgewiesenem Selenmangel kann der Bedarf höher liegen. Grundlage bilden die individuell gemessenen Laborwerte.
Was passiert bei einer Selen-Überdosierung?
Eine chronische Selen-Überdosierung wird auch Selenose genannt. Erste Anzeichen sind Müdigkeit, Übelkeit und Durchfall. Im weiteren Verlauf können Haarausfall, Nagelveränderungen, Nervenstörungen und ein knoblauchartiger Atemgeruch dazukommen.
Sollte man Selen bei Hashimoto einnehmen?
Die Studienlage ist uneinheitlich. Einige Untersuchungen zeigen, dass eine Selen-Supplementierung bei Hashimoto-Thyreoiditis die schilddrüsenspezifischen Antikörper senken kann. Internationale Leitlinien, etwa der Europäischen Schilddrüsengesellschaft, sprechen aktuell jedoch keine generelle Empfehlung für eine Selengabe aus. Die Evidenz für einen klinischen Nutzen gilt als nicht ausreichend.[8][9]
Welche Dosierung von Selen wird bei Krebspatienten empfohlen?
Es gibt keine empfohlene Selen-Dosierung für Krebspatienten. Die amerikanische SELECT-Studie untersuchte die angeblich krebsvorsorgende Wirkung von Selen bei Männern mit Prostatakrebs. Bei den Männern, die bereits ausreichend mit Selen versorgt waren, stieg das Risiko für besonders aggressive Prostatakarzinome unter zusätzlicher Selengabe an. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie rät Männern deshalb von einer zusätzlichen Seleneinnahme ab, solange kein nachgewiesener Mangel vorliegt.
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Quellen
[1] L. E. Johnson. (2025). Selenüberschuss. MSD Manual.
[2] D. Reiche & J. Rauch. (2022). Selen: Symptome von Mangel und Überdosierung. gesundheit.de.
[3] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). (2021). Selen: Ausgewählte Fragen und Antworten zu Selen.
[4] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. (2021). Stellungnahme Nr. 02/2021 der Gemeinsamen Expertenkommission zur Einstufung von Stoffen. Einstufung von selenhaltigen produkten.
[5] T. Müller. (2018). Nahrungsergänzung: Hirnschaden durch zu viel Selen. Ärzte Zeitung.
[6] Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie. (2014). Neue Studie bestätigt Krebsrisiko: Selen und Vitamin E nur bei Mangelzuständen einnehmen. Pressemitteilungen.
[7] Deutsches Ärzteblatt. (2014). Überversorgung mit Selen und Vitamin E schädlich.
[8] V.-V. Huwiler, et al. (2024). Selenium Supplementation in Patients with Hashimoto Thyroiditis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Sage Journals.
[9] S. Schinner. (o. D.) News: Selen ist bei Erkrankungen der Schilddrüse nicht immer die 1. Wahl. Praxis Prof. Dr. Sven Schinner.


