Stechende Schmerzen im Unterleib, die weit über das Normale hinausgehen. Tiefe Erschöpfung, die selbst nach ausreichend Schlaf nicht weicht. Dazu jahrelange Arztbesuche ohne eine klare Antwort. So beschreiben viele Frauen den langen Weg bis zur Diagnose. Was hinter Endometriose steckt und wie Betroffene mehr Lebensqualität zurückgewinnen können, erfahren Sie hier.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Endometriose betrifft rund 2 Millionen Frauen in Deutschland.
- Symptome können starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder chronische Erschöpfung sein.
- Die Diagnose dauert mehrere Jahre. Oft, weil die Beschwerden nicht ernst genommen werden.
- Die ärztliche Leitlinie 2025 eröffnet, neben einer Operation, neue Wege der Diagnose.
Was ist Endometriose?
Endometriose gilt als gutartige chronische Erkrankung. Bis zu 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter, zwischen 15 und 49 Jahren[1], sind betroffen. In Deutschland sind es rund zwei Millionen Menschen. Damit zählt Endometriose zu einer der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen überhaupt.[2]
Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Dieses Gewebe, sogenannte Endometriose-Herde, finden sich häufig an Eierstöcken, Darm oder Blase.[3]
Endometriosegewebe blutet wie die Gebärmutterschleimhaut. Anders als bei der normalen Menstruation kann das Blut den Körper jedoch nicht verlassen. Es staut sich im Bauchraum an und verursacht Entzündungen, Vernarbungen und Verwachsungen.[3]
Mögliche Ursachen einer Endometriose
Die genauen Ursachen einer Endometriose sind bis heute nicht vollständig geklärt.[4] Eine Theorie geht von einer rückläufigen Menstruation (retrograde Menstruation) aus. Dabei fließt Menstruationsblut teilweise durch den Eileiter in den Bauchraum.[5] Zusätzlich diskutieren Fachleute genetische Faktoren und Veränderungen des Immunsystems.[3] Auch hormonelle Einflüsse sollen eine entscheidende Rolle spielen, da Östrogen das Wachstum des Gewebes fördert.
Ein erhöhtes Risiko besteht bei Frauen, die genetisch bereits vorbelastet sind. Auch eine früh einsetzende erste Periode gilt als möglicher Risikofaktor.[6]

Podcast Folge #9: Endometriose
Erfahren Sie, warum die Diagnose so lange dauert, welche Rolle Ernährung und (Mikro)Nährstoffe spielen und wie Betroffene mehr Lebensqualität zurückgewinnen.
Typische Beschwerden im Alltag
Die Erkrankung gilt als „Chamäleon der Gynäkologie“. Sie äußert sich von Frau zu Frau völlig unterschiedlich, weshalb Endometriose häufig lange unentdeckt bleibt und die Beschwerden falsch eingeordnet werden.[3]
Zu den häufigsten Beschwerden zählen:[7]
Starke Regelschmerzen (Dysmenorrhoe), teils begleitet von Übelkeit, Erbrechen & Kollapsneigung
Schmerzen beim Wasserlassen, Stuhlgang oder Geschlechtsverkehr
Aufgeblähter Bauch, auch „Endobelly“ genannt
Rückenschmerzen
Chronische Erschöpfung und Müdigkeit
Etwa 95 Prozent der Betroffenen leiden unter ausgeprägten, krampfartigen Regelschmerzen.[8] Auch ein unerfüllter Kinderwunsch (Infertilität) kann ein erstes Anzeichen sein, da Endometriose die Fruchtbarkeit einschränken kann.[2]
"Stille" Endometriose
Nicht jede Frau spürt starke Beschwerden. Manche Verläufe zeigen kaum oder gar keine Symptome, obwohl Herde im Körper vorhanden sind. Diese Form wird häufig als „stille“ Endometriose bezeichnet und erschwert eine frühzeitige Diagnose zusätzlich.
Diagnose: Neue Wege zur Gewissheit
Bis zur gesicherten Diagnose vergehen in Deutschland durchschnittlich sieben bis zehn Jahre.[8][2] Im Frühstadium fehlen häufig eindeutige organische Befunde und Beschwerden werden als normale Menstruationsschmerzen fehlinterpretiert.
Bis zuletzt galt eine operative Bauchspiegelung (Laparoskopie) als einziger Weg um Endometriose sicher zu bestätigen und direkt zu entfernen.
Ärztliche Leitlinie 2025
Im Juni 2025 veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften eine aktualisierte ärztliche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Endometriose.[2] Eine darin enthaltene zentrale Änderung: Die Bauchspiegelung gilt nicht länger als einziger Weg zur Diagnose.[9][10]
Stattdessen empfiehlt die Leitlinie den vaginalen Ultraschall (transvaginale Sonographie) als bevorzugte erste Methode. Bei Bedarf soll eine MRT-Untersuchung die Diagnose ergänzen. Lediglich bei dem Verdacht auf eine Endometriose des Bauchfells bleibt die Bauchspiegelung weiterhin notwendig.[10] Diese Neuerung erleichtert vielen Frauen den Weg zur Diagnose.
So lässt sich Endometriose behandeln
Die Therapie richtet sich nach Beschwerden, Kinderwunsch und Ausbreitung der Erkrankung.[11]
Oft kommen Hormonpräparate (z. B. Gestagene oder Antibabypille) zum Einsatz, die den Zyklus unterdrücken und das Gewebewachstum bremsen. Bei starken Schmerzen werden zusätzlich Schmerzmittel verordnet. In schweren Fällen müssen die Endometriose-Herde operativ durch die Laparoskopie entfernt werden.[7]
Neben schulmedizinischen Verfahren empfiehlt die Endometriose-Vereinigung außerdem ergänzende Therapiemethoden:[7]
Homöopathie
Osteopathie
Neuraltherapie
Traditionelle Chinesische Medizin
Auch Achtsamkeitsübungen und Yoga verbessern schmerzbezogene Symptome und Lebensqualität nachweislich.[12]
Hilfreiche Atem- und Entspannungsübungen haben wir Ihnen hier zusammengestellt.
Der Weg zur Linderung
Ernährung gezielt anpassen
Eine ausgewogene Ernährung kann den Alltag mit Endometriose unterstützen.[8] Verschiedene Ernährungsweisen wurden bereits diskutiert:[13]
Glutenfreie Ernährung
Verzicht auf Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel.
Mediterrane Ernährung
Viel frisches Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte.
Antientzündliche Ernährung
Frische, pflanzliche Lebensmittel wie Brokkoli, Paprika oder Beeren und gesunde Fette aus Leinöl oder Seefisch.
Ballaststoffreiche Ernährung
Unverdauliche Pflanzenfasern aus Vollkorn, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst und Nüssen. Mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag.
FODMAP-arme Ernährung
Verzicht auf bestimmte Kohlenhydrate und Zuckeralkohole, z. B. aus zuckerreichem Obst, klassischem Getreide, Zwiebeln und Knoblauch.
Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch, Leinsamen oder Walnüssen gelten als besonders empfehlenswert bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen.[13]
Mit einem Ernährungstagebuch lässt sich herausfinden, welche Ernährungsweise Ihre individuellen Beschwerden am besten lindert.
Vitamin D
Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Ein Vitamin, mit dem laut Robert-Koch-Institut rund 60 Prozent der Menschen in Deutschland nicht ausreichend versorgt sind, da die körpereigene Bildung an Sonnenlicht gebunden ist.[15] Mehrere Studien beobachten bei Endometriose-Patienten niedrigere Vitamin D-Spiegel als bei gesunden Frauen. Je höher der Mangel, desto stärker sollen die Beschwerden sein.[16]
Zink
Auch Zink unterstützt eine normale Funktion des Immunsystems und trägt außerdem zu einer normalen Fruchtbarkeit und Reproduktion bei. Als Antioxidans schützt es die Zellen zusätzlich vor oxidativem Stress. Eine entzündungshemmende, fleisch- und fischarme Ernährung kann den Zinkbedarf erhöhen. Auch hormonelle Verhütungsmittel und Schmerzmittel gelten als mögliche Nährstoffräuber für Zink.
Ein individueller Bluttest zeigt bestehende Mängel zuverlässig und bildet die Grundlage für eine gezielte Ergänzung.
Alltag mit Endometriose: Das können Sie tun
Der Alltag mit Endometriose fordert viel Energie und Geduld. Auch Beruf, Partnerschaft, Sexualität und soziale Kontakte können sich durch die Erkrankung verändern. Die chronischen Schmerzen führen bei vielen Frauen zu Erschöpfung, Reizbarkeit oder depressiven Verstimmungen. Eine psychotherapeutische Begleitung wird deshalb ausdrücklich empfohlen und von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.[11]
Was Sie zur Linderung im Alltag konkret tun können:[17]
Bewegung wie Yoga, Schwimmen oder Spaziergänge
Wärmeanwendungen mit einer Wärmflasche oder Kirschkernkissen
Stressreduktion durch Meditation oder progressive Muskelentspannung
Austausch mit anderen Betroffenen z. B. in einer Selbsthilfegruppe
Ein offener Austausch mit anderen Betroffenen erleichtert oft den Weg mit der Erkrankung. Selbsthilfegruppen und Online-Communitys können hier wertvollen Rückhalt bieten.[17]
Mehr über Endometriose?
Für alle, die tiefer in das Thema Endometriose einsteigen möchten
In Folge 9 „Endometriose“ unseres Podcasts FRAUENbewusst sprechen Heilpraktikerin Saskia Straße von Ridder und Noëlle Grzanna, Gründerin von „One in Ten“, mit persönlicher Erfahrung und Praxiswissen über Diagnostik, Nährstoffe und den Umgang mit chronischen Schmerzen.
Wer ist besonders betroffen von Endometriose?
Bis zu 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter (zwischen 15 und 49 Jahren) sind von Endometriose betroffen. In Deutschland sind das rund 2 Millionen Menschen.
Zu den Risikofaktoren zählen eine früh einsetzende erste Periode, eine Vorerkrankung der Mutter sowie hormonelle Einflüsse.
Was sind die ersten Anzeichen einer Endometriose?
Häufige erste Anzeichen sind ungewöhnlich starke Regelschmerzen, Unterleibsschmerzen außerhalb der Blutung sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Auch anhaltende Erschöpfung oder ungewollte Kinderlosigkeit können ein Hinweis sein.
Wie wird Endometriose diagnostiziert?
Bislang galt eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) als einzige sichere Methode eine Endometriose festzustellen und den Endometriose-Herd zu entfernen. Mit der neuen ärztlichen Leitlinie 2025 ergibt sich eine einfachere nicht-operative Methode zur Diagnose: Ein vaginaler Ultraschall, ergänzt durch eine MRT-Untersuchung.
Wie lange dauert es bis zu einer Diagnose von Endometriose?
In Deutschland vergehen im Schnitt sechs bis zehn Jahre bis zu einer gesicherten Diagnose. Die ärztliche Leitlinie 2025 und die darin empfohlene erste Diagnosemethode (vaginaler Ultraschall) soll diesen Zeitraum künftig verkürzen.
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Quellenangabe
[1] Statistisches Bundesamt. (o. D.). Geburten: Gebärfähiges Alter.
[2] Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (2025). Diagnostik und Therapie der Endometriose: Verstärkte wissenschaftliche Forschung essenziell für die Lebensqualität von Betroffenen.
[3] Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. (2025). Was ist Endometriose?
[4] Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. (2024). Frauengesundheit ist europäisch. Endometriose ist europäisch.
[5] A. E. Dastur & P. D. Tank. (2011). John A Sampson and the origins of Endometriosis. American Journal of Obstetrics and Gynecology. 60(4):299-300.
[6] H. J. Kim et al. (2021). Familial risk for endometriosis and ist interaction with smoking, age at menarche and body mass index: a populationbased cohort study among siblings. 8(12):1938–1948.
[7] Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. (2023). Wie wird Endometriose behandelt?
[8] Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. (2025). Endometriose und Kinderwunsch.
[9] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2025): S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose.
[10] Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. (2025). Die neue S2k-Leitlinie 2025.
[11] Bundesministerium für Gesundheit. (2025). Krankheiten: Endometriose.
[12] J. Desai, S. Strong & E. Ball. (2024). Holistic approaches to living well with endometriosis. 13:359.
[13] Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET). (2025). Endometriose: Entzündungen und Schmerzen mit der Ernährung zähmen.
[14] L. Clower et al. (2022). Targeting Oxidative Stress Involved in Endometriosis and Ist Pain. 12(8):1055.
[15] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2025). Ausgewählte Fragen und Antworten: Vitamin D.
[16] I. Baglar et al. (2026). Vitamin D Deficiency and pain Severity in Endometriosis: A Phenotype-Based Retrospective Cohort Study.
[17] Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. (o. D.). Self-Care bei Endometriose: Wie du mit kleinen Schritten große Erleichterung finden kannst.






